Beziehungen werden immer vielfältiger. Die typische Ehe mit der konventionellen Rollenverteilung, wie wir es bei Vater und Mutter meist erlebt haben, gibt es immer seltener. Heute bestehen Frauen auf das Recht der Selbstverwirklichung durch Beruf, Hobbies und Freunde. Männer nehmen sich das Recht an der Erziehung ihrer Kinder mitwirken zu können.
Die Form des Zusammenlebens ist von der Gesellschaft nicht mehr vorgegeben. Das befreit uns vom Druck in ein Muster gepresst zu werden, das verpflichtet uns aber auch eigene Vorstellungen vom Leben zu Zweit zu entwickeln. Das ist nicht immer leicht, denn die Bedürfnisse sind oft sehr unterschiedlich.
Unbestritten ist, dass eine Liebesbeziehung viel Nähe braucht. Wir erfüllen uns hier ein menschliches Grundbedürfnis nach Geborgenheit. Wir können dem Anderen sowohl körperlich als auch seelisch/geistig nahe sein. Nicht nur in der Sexualität, sondern auch in Gesprächen und bei intensiv gemeinsam verbrachter Zeit. Nähe ist immer und überall möglich, auch wenn man räumlich weit getrennt ist.
Mit der Distanz ist das schon etwas schwieriger. Darf es das überhaupt geben? Soll eine Beziehung nicht immer harmonisch und liebevoll sein? Wenn wir unseren Alltag betrachten, wissen wir, dass Harmonie eine Illusion ist. Es gibt zwar harmonische Momente, aber Harmonie jeden Tag, über viele Jahre würde das Aus der Liebesbeziehung sein. Liebe lebt von Spannungen. Viele kennen den Effekt, wenn es einmal ordentlich gekracht hat, und die Luft gereinigt wurde, ist das Zusammenleben hinterher wieder richtig schön .
Achten Sie in der Zweisamkeit auch auf die Einsamkeit. Wir alle brauchen Zeit für uns selbst, für unser eigenes Leben, unsere Wünsche, Bedürfnisse und Ziele, die wir nicht alle mit dem Partner verwirklichen können. Probieren Sie es aus und Sie werden erleben, dass erst durch gelebte Distanz wirkliche Nähe möglich ist.
Ihre Brigitte Koch
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